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Hamburg Ballett – Preludes CV: (M)ein erster Moment des Nichtverstehens

Am 27. 10. 2022 feierte das Hamburg Ballett John Neumeier bereits die zweite Wiederaufnahme der Saison. „Eines meiner wichtigsten Ballette“ nennt John Neumeier sein „choreografisches Skizzenbuch in zwei Teilen“ Prelude CV zu der Musik der Komponistin Lera Auerbach, die im ersten Teil des Abends selbst am Klavier saß. Ihre Musik und auch die erzählten Geschichten gehören in den Bereich „anspruchsvollere Kost“, was die Leistung der Tänzer umso bewunderungswürdiger macht und die Begeisterung am Ende umso verständlicher. Und dennoch, Preludes CV ist das erste Ballett zu dem ich, zumindest bei meinem Vorstellungsbesuch am 28.10., nicht wirklich einen Zugang fand.

Fotorechte alle Fotos: Kiran West

„Access denied“ – Zweiter Anlauf folgt

Oder besser: Es gelingt mir nicht, dem Labyrinth an Gedanken und tiefen Emotionen, die Musik, Choreografie und Leistung der Tänzer in meinem Kopf auslösten, zu entkommen. Es war mir unmöglich, den vielen Erzählsträngen zu folgen, von denen jeder einzelne all die choreografischen und auch emotionalen Elemente enthielt, die ich sonst so an John Neumeiers Arbeiten schätze. Zum ersten Mal habe ich nicht das Bedürfnis, ein Ballett noch zum zweiten oder gar dritten Mal zu besuchen. Und genau aus diesem Grund werde ich es baldmöglichst doch tun, da ich ansonsten stets das Gefühl haben werde, es mir zu leicht gemacht zu haben. Bin ich doch der Überzeugung, wenn etwas gefällt oder auch nicht, fasziniert oder in großen Teilen unverständlich bleibt, liegt es immer mehr am Betrachter und seinen Befindlichkeiten als am Stück.
Natürlich wäre es ein Leichtes, mir Beeindruckendes aus dem Programmheft zusammenzusuchen, doch das empfände ich als Selbstbetrug und unprofessioneller als eine momentane Unfähigkeit zuzugeben, etwas adäquat zu beschreiben oder gar zu bewerten. Also ist und bleibt es momentan wie es ist: –404- unknown error.

Aber vielleicht reizen ja genau diese Worte andere sich nun erst recht ein eigenes Bild zu machen … Denn das Ballett löst auf jeden Fall etwas aus, und zwar mehr als nur die Bewunderung für Momentaufnahmen ausdrucksvoller Bewegungen oder fast akrobatische Leistungen zu einer ebenso ausdrucksvoll vielfältigen Musik. Doch konnte ich ganz persönlich dies -wie wiederholt erwähnt- nicht (be)greifen.

Fotorechte alle Fotos: Kiran West

Abbitte an die Ausführenden und ihre fantastischen Leistungen

Leider zieht ja ein gewisses Unverständnis für ein Stück auch nach sich, dass es schwerer fällt, die Leistungen der Tänzer in ihrer Gesamtheit zu würdigen, weitet sich das nicht (be)greifen können doch aus den verschiedensten Gründen zu einem nicht alles sehen können aus.
Preludes CV besteht aus vielen kleinen, auch ineinander übergehende Geschichtchen und Szenen, die mit Hilfe von Pas de deux, Pas de Trois oder Ensembleszenen erzählt werden. Dabei wechseln oft die Partner und die untermalende Musik steigert mal melodiös, mal mit fast atonalen Glissandi auf dem Cello (Ani Aznavoorian) oder gezupften Tonfolgen auf der Violine (Vadim Gluzman) die getanzten Emotionen bis ins -für mich an diese Tag- fast Unerträgliche. Was ich, so widersprüchlich es klingen mag, durchaus positiv meine. Denn alle Darstellenden bewiesen ein Mal mehr die hohe Qualität auf allen Ebenen dieser Compagnie. Nicht nur Aleix Martinez, der allein schon für die Leistung, die gesamte Pause über regungslos eine Kerze haltend auf der offenen Bühne stand, verdient hierfür und für seine restliche Energie geladene Leistung Hochachtung.

Fotorechte alle Fotos: Kiran West

Auch die beiden stets so harmonisierenden Paare Alexandre Riabko/ Siliva Azzoni, Edvin Revazov/Anna Laudere, genau wie Félix Paquet/Madoka Sugai faszinierten. Diese sieben mag man als die Protagonisten des Stückes sehen. Sie agieren immer wieder abwechselnd miteinander, setzen Neumeiers großes Talent auch für gleichgeschlechtliche Pas de deux mit müheloser Virtuosität um.

Und hier nun die Abbitte: Alle, wirklich alle, zogen mich in den den Bann, brachten mich zum Denken und Fühlen und doch fehlt mir auch hier dieses Mal die Fähigkeit, was sie auslösten, in würdigende Worte zu fassen..

Fotorechte alle Fotos: Kiran West

Fazit: Diese Rechtfertigung oder auch „Outing eines Moments der Schwäche“, fiel mir nicht leicht, war mir jedoch ein Bedürfnis und wird, wenn auch erst während der Balletttage 2023, auf jeden Fall korrigiert werden. Und ich freue mich aufrichtig, dass der Applaus an Begeisterung keine Wünsche offen ließ.
Birgit Kleinfeld. 1.11.2022

Links:
https://www.hamburgballett.de/
https://leraauerbach.com/

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