Opern- und Leben(s)gestalten

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Elbphilharmonie (Kleiner Saal): CHAARTS & Regula Mühlemann: Verzaubernde Entführung in die Anderswelt

Titelbild copyright: Shirley Suarez

Fairy Tales lautet das Programm mit dem die Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann und das Kammermusikensemble CHAARTS am 27.10. das Publikum im ausverkauften Kleinen Saal der Elbphilharmonie bezauberte. Für zwei Stunden verwandelten die Musiker den eher nüchternen Saal mit der fantastischen Akustik in einen Wald der Anderswelt. Mit Regula Mühlemann als „Feenkönigin“, die mit wunderschöner Stimme in den Bann zieht, CHAARTS als ihre vielseitigen, nicht weniger beeindruckenden „dienstbaren Geister“ und den Melodien von Offenbach, Britten, Grieg, Monteverdi, Purcell, Massenet, Adam, Verdi und Dvorak als geheimnisvoll-schöne Klanggemälde.

Alle Fotorechte: Shirley Suaraz

Gemeinsamer „Tanz“ statt Audienz oder Huldigung

„Feenkönigin“ ist der Titel, den Cellist Andreas Fieck Regula Mühlemann während einer seiner charmant humorvollen Anmoderationen verlieh. Meine Bezeichnung von „dienstbaren Geister“ trifft es bei näherer Sicht allerdings nicht. Dann lieber „Hofstaat“? Auch das impliziert eine gewisse Hierarchie, also: Nein. Denn Stefan Tarara, Markus Fieck (Violine), Adrian Vasile (Viola), Andreas Fieck (Cello). Lars Scharper (Kontrabass), Frederic Sanchez (Flöte), Tambar Inbar (Oboe), Moritz Roelcke (Klarinette), Rui Lopes (Fagott) Tomas Gallart (Horn) und Lea Magdalena Knecht (Harfe) sind nicht einfach nur Begleiter, sondern gleichberechtigte Mitwirkende.
Dies bildete eine der Besonderheiten an diesem Abend, unterstützt es doch den Eindruck, dass dort oben auf der kleinen, hellerleuchteten Bühne 12 Musiker*innen mit großem Können saßen, die große Freude am gemeinsamen Musizieren haben, was sich durch ihre Körpersprache und nonverbale Kontaktaufnahme während des Spielens noch manifestierte.

Mitglieder von CHAARTS „Privat“, doch den Konzerteindruck bestätigend
Alle Fotorechte : Balazs Borocz

In den beiden, ganz den Instrumentalmusikern gehörenden Blöcken mit Edvard Griegs Peer Gynt Suiten (Nr.2 Op 55 im ersten und Nr. 1 im zweiten Teil des Konzerts) begeisterten CHAARTS vom ersten Ton von: Der Brautraub bis zum letzten von: In der Halle des Erlkönigs. Das geschickte Arrangement für ein Kammerorchester sorgte zusätzlich zu CHAARTS‘ eindrucksvoller Interpretation dafür, dass man die Klänge eines Sinfonieorchesters nicht vermisste. Besonders mit geschlossenen Augen, auf jeglichen optischen Reiz von Außen verzichtend, versank man in der nordischen Anderswelt, begegnet lieblichen Elfen, furchteinflößenden Trollen, hochherrschaftlichen Feen und nicht zuletzt ihm, dem Erlkönig. Mit offenen Augen konnte man sich zusätzlich zum akustischen Genuss am Anblick der Ausführenden erfreuen, die nicht nur durch die Noten, sondern wirklich mit jeder Faser Griegs Klangwelt Leben einhauchten.

Das gesamte Kammermusikensemble CHAARTS
Alle Fotorechte : Balazs Borocz

Mit Charme und Silberglockenstimme verführt

Doch auch bei Adolphe Adams Flötensolo: The Pink Fairy (La filleule des fées), von Frederic Sanchez wunderbar fröhlich und „leichtfüßig“ gespielt, zog Regula Mühlemann sich von der Bühne zurück und gab auch bei jenen Stücken bei denen ein bzw. zwei Kollegen aus dem Orchester den Löwenanteil an Begleitung übernahmen, Blick und Mittelpunkt der Bühne für sie frei.

Kleinigkeiten? Vielleicht. Doch sie machen aus dem Konzert ein Ganzes: Alles passt zusammen. Nicht zuletzt die sympathisch natürliche Ausstrahlung von Regula Mühlemann. Nein, sie ist keine jener herrschsüchtigen Feenköniginnen aus der keltisch/nordischen Sagenwelt, denen nichts ein größeres Vergnügen bereitet als Sterbliche in die Irre zu führen und sie zu Händeln zu verleiten, bei denen sie nur verlieren können. Sie ist eine Feenprinzessin, deren Macht und Zauber in einer wunderschönen Stimme liegt. Einer Stimme, die Trauer und Kummer und romantische Verträumtheit mit derselben Leichtigkeit durch eine wohltönende, sicher geführte Mittellage ebenso zum Ausdruck bringen kann wie keck fröhliche Verspieltheit durch federleichte, silbrighelle Koloraturen. Einer Stimme, die zu Genuss ohne Reue verleitet.

Alle Fotorechte: Shirley Suaraz

Als Beispiele seien hier genannt: Der Beginn des ersten Teils: Komm zu uns und sing und tanze, von Jacques Offenbach für seine Oper Die Rheinnixen komponiert, uns aber eher als Barcarole aus Hoffmanns Erzählungen bekannt, Alles liegt im Dunkel ebenfalls aus Die Rheinnixen und von Mühlemann als Auftrittslied im zweiten Teil und größten Teils vom Saaleingang aus präsentiert, Lamento della Ninfa (Claudio Monteverdi) oder die herrlich launig, bildhaft und vor allem stimmschön dargebotene Szene Ninfe! Elfi! Silfi!… Sul fil d’un soffio etesio aus Giuseppe Verdis Oper Falstaff. Aber auch Solveigs Song (Grieg) oder Lied an den Mond (Dvorak, Rusalka), die einfühlsam Ruhe und melancholischen Frieden vermittelten.*

Diesen Film von CHAARTS und Regula Mühlemann legte
A. Fieck dem Publikum -zurecht- sehr ans Herz.

Fazit: Besonders kennzeichnend für diesen Abend, dessen Wirkung und Stimmung, waren jedoch Darbietung und Titel der zweiten Zugabe von Regula Mühlemann und CHAARTS. Auf den Punkt genau beschreibt: Je veux vivre dans ce rève aus Charles Gounods Roméo et Juliette. Denn wer möchte nicht in diesem musikalischen Traum (entführt) leben! Zumindest hin und wieder!
Birgit Kleinfeld, Vorstellungsbesuch 27.10.2022

*Näher und fachlicher werde ich auf diese und die anderen Programmtitel in meiner zeitnah erscheinenden Besprechung der gleichnamigen CD zu diesem Programm eingehen

Links:
https://www.elbphilharmonie.de/de/
https://regulamuehlemann.com/?lang=de
https://chaarts.ch/de

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