Opern- und Leben(s)gestalten

Es gibt so vieles, neben Oper, mit dem es sich lohnt das Leben zu gestalten! Drum füllen sich nach und nach die Menü- & Unterpunkte! Viel Spaß!

Elbphilharmonie Hamburg: 1.Akademiekonzert: Ein Deutsches Requiem zweigeteilt

„Das empfindsamste Musikinstrument ist die menschliche Seele. Danach kommt die menschliche Stimme. Man muss die Seele läutern, bis sie zu klingen beginnt.“ Dieses Zitat stammt nicht  von Johannes Brahms, dessen Ein Deutsches Requiem die  Reihe der Akademiekonzerte  2022/23 eröffnet. Es sind die Worte von Komponist Avo Pärt. Auch von ihm gibt es einiges in den folgenden Akademiekonzerten zu hören. Doch sie passen wunderbar zu diesem Abend in der Elbphilharmonie Hamburg. Etwa 300 menschliche Stimmen  brachten zusammen mit einem Orchester, einer Orgel und einer Violine  nicht nur Brahms Requiem, sondern auch Melodien von Johann-Sebastian Bach, Giuseppe Tortini, Robert Schumann und Georg Friedrich Händel seelenvoll zum Klingen. Zum Teil dienten diese Stücke der Erweiterung des Requiems zwischen den Sätzen III und IV, aber auch als eigentlicher Schluss nach dem VII. Satz.
Die nötigen kleinen Umbauten, Auftritte und Abgänge verhinderten teilweise alles als großes Ganzes zu empfinden. Doch am Ende dann brach sich  Begeisterung zu Recht Bahn.

Giuseppe Verdis Missa da Requiem  wartet nicht allein  im Dies Irae mit  einem voluminösen Klangkörper auf und verströmt auch in den sanfteren Teilen eher Trauer und Traurigkeit.  Es überwältigt mit Klangfülle und mitreißender Mächtigkeit, die vielleicht durch die  einst „heilige“ Sprache Latein noch verstärkt wird. Brahms Requiem bewegt und berührt auf eine ruhigere Art als jenes seines italienischen Kollegen.  Seine Melodien, die ergänzenden Stücke, sowie die der Lutherbibel entnommenen Worte spenden auf sanftere Art Trost, während in Verdis Werk Gottes Allmacht im Vordergrund steht.

Kent Nagano
Photo Credit: Claudia Höhne

Auch im „ Das Deutsche Requiem“ gibt es viele beeindruckende Chormomente. Circa 300 Chorsänger aus acht Hamburger Chören verstärkten an diesem Abend   das Philharmonische Staatsorchester Hamburg. Der junge isländische Bariton Jóhann Kristinsson übernahm das  Bariton-Solo.   Er überzeugte mit  wunderbarer Verständlichkeit fast ebenso wie durch seinen wandlungsfähigen, ausdrucksstarken Bariton.
Generalmusikdirektor Kent Nagano hatte sich mit der Wahl dieser Besetzung für die Bremer Fassung entschieden, ohne den damals noch nicht vollendeten Satz mit Sopran-Solo, und durch oben erwähnte Veränderungen eine ganz neue Lesart geschaffen, die bald auch als CD erhältlich sein wird.

Nach dem 3. Satz überließ er, auf der Rückseite seines Podiums sitzend, die Bühne und die Aufmerksamkeit ganz und gar dem Organisten Thomas Cornelius und der Violinistin Veronika Eberle, die dem eigentlichen Requiem durch ihren Auftritt eine  spezielle Note verliehen.  Zart und sanft klangen ihre Duos von Stücken von  Johann Sebastian Bach, Giuseppe Tartini und Robert Schumann. Mit schnörkelloser Anmut im Spiel verführte  Eiberle  zum Träumen, während ihr Begleiter mit ähnlicher Mühelosigkeit einen Hauch von fast sakralem und doch irgendwie bodenständigem Trost hinzufügte.

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, 8Hamburger Chöre
Kent Nagano
Photo Credit: Philharmonisches Staatsorchester

Nagano führte sein Orchester und auch die Chöre mit viel Einfühlungsvermögen  und Präzision nicht nur durch das zweigeteilte Requiem, sondern gab auch dem Auszug aus der Matthäus-Passion „Erbarme dich“ tiefen Ausdruck. Mezzosopranistin Kate Lindsey intensivierte  diesen Eindruck durch ihre wohltönende, sicher geführte Stimme und durch emotionale, aber in keiner Weise übertriebene, Gesten. Ihr Gesang und ihre verhaltene „Lebendigkeit“ verstärkten die Bitte um Trost, die auch Bachs Musik verdeutlich.  Auch in ihrem Solopart aus Georg  Friedrich Händels „Messias“ bestach sie durch Gefühl und stimmliche Schönheit.

Die vielen Chöre beeindruckten und faszinierten nicht nur durch ihre, auf eine der rangartigen Ebenen der Elbphilharmonie verteilte, Quantität sondern durch hohe Qualität, die besonders im letzten Stück des Abends,  dem „Hallelujah“, zu tragen kam und für einen Gänsehautmoment sorgte.

Es war ein besonderer Abend, der viel Applaus bekam und dessen Beteiligte vielleicht  etwas mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung verdient hätten, als ich ihnen hier zollen konnte. Ja, vielleicht muss  ich mich einfach erst an diese  erweiterte, im Programmheft „offene“ Form des Stückes gewöhnen. Die Bereitschaft besteht …

Birgit Kleinfeld, Vorstellungsbesuch 28.08.2022

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