Opern- und Leben(s)gestalten

Es gibt so vieles, neben Oper, mit dem es sich lohnt das Leben zu gestalten! Drum füllen sich nach und nach die Menü- & Unterpunkte! Viel Spaß!

opera stabile Hamburg: Sehnsucht nach der Welt – besinnlich ins Wochenende

Titelbild: Staatsoper Hamburg/ Nikla Marc Heinecke

Ein Besuch in der opera stabile der Staatsoper Hamburg hat immer ein klein wenig von einem Blick hinter die Kulissen, ist der Raum doch eher schmucklos, die Spuren von Proben  und anderen Aufführungen  auf dem Boden deutlich sichtbar. Und trotzdem, oder vielleicht auch gerade deshalb, strahlt er eine gewisse Besonderheit und Intimität aus. Denn mehr als circa 120 Personen haben auch zu Covid-freien Zeiten hier nicht Platz. Das AfterWork Konzert Sehnsucht nach der Welt von Sophia Whiston (Harfe) und Gabriele Rossmanith (Sopran) reihte  sich in die lange Reihe ungewöhnlicher Aufführungen in diesem Saal ein. Die beiden Damen schickten das Publikum mit viel Charme und besinnlichen Liedern aus den Federn verschiedener Dichter und Komponisten ins Wochenende.

Foto: Jörn Kipping

Kammersängerin Gabriele Rossmanith, seit kurzem äußerst engagierte künstlerische Leiterin des Internationalen Opernstudios, ist langjähriges, gerngesehen und gehörtes Mitglied der Staatsoper. Als Liedsängerin überzeugte sie mich vor ca.1,5 Jahren mit ihrer CD mit dem Ensemble Acht und Werken von Stefan Schäfer (Kontrabassist, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg). Mir gefiel und gefällt ihre Fähigkeit, auf der CD akustisch, und  nun auch gestisch und mimisch, die Emotionen und auch Charaktere der Protagonisten der Lieder zum Leben zu erwecken und das mit einem rein und klar klingendem Sopran. Es ist unmöglich, jedes der angenehm vielen, ein Ganzes ergebenden Lieder zu erwähnen, die die gut 75 Minuten füllten und auch schwer, ein bis zwei explizite Beispiele zu nennen. Jedes Werk, egal ob von Marcel Tournier, dem noch lebenden und im Publikum anwesenden Frederic Kroll oder aus der Feder der bekannteren Meister: Benjamin Britten. Francois Poulenc, Claude Debussy, Hugo Wolf oder auch Maurice Ravel, wurde unverkennbar mit viel Geschick und Liebe zum Thema ausgewählt und ebenso dargeboten. Egal ob von Anfang an für Harfe komponiert, wie  zum Beispiel die Werke von Britten, oder von Klavier adaptiert, wie zum Bespiel Debussys Lieder, die einen Tag Landleben beschreiben, oder auch Ravels griechische Volkslieder.

Beiden Künstlerinnen gelang es in der jeweiligen Sprache stets  deutlich und auch eindringlich zu kommunizieren. So unterstrich Rossmanith die Wirkung ihrer Beiträge dadurch, dass sie, egal ob in englisch, deutsch oder französisch, so gut wie wortwörtlich zu verstehen war.

Alle Fotos: Jörn Kipping

Die junge Harfenistin Sophia Whitson, Musikerin bei den Symphonikern hier in Hamburg, wie aber auch unter anderem als Gast in Bamberg und München ist Stipendiatin  Neustart Kultur Klassik 2021 und auch anderwärtig mehrfach ausgezeichnet. Sie war  weit mehr als eine Begleiterin an diesem Abend, nicht nur weil sie einige Solostücke spielte. Eher hauptsächlich weil die Energie zwischen ihr und der Sängerin emphatisch zu fließen schien, so dass man sich noch viele gemeinsame Programme wünscht.  Es ist einfach hör- und spürbar wie wichtig zu musizieren diesen beiden Künstlerinnen ist.

Die kurze Einführung der sympathischen Musikerin zum Spielen ihrer Harfe war nicht nur sehr informativ, sondern bewies mit welcher durch Hingabe leicht erscheinenden Kunstfertigkeit sie dieses wunderschöne, komplizierte Instrument, seine vielen Saiten und 7 (!) Fußhebel beherrscht. Und so trugen, ähnlich wie Rossmaniths Sprache, ihre Töne die Aussagen der Stücke verständlich und Klangbilder malend  durch den Raum. Dies gilt besonders für A saguitarevon Poulenc. Hier sollte ursprünglich ein Klavier die Klangfarben einer Gitarre imitieren, aber Whitson und ihre Harfe, zusammen mit Rossmaniths Stimme, scheinen mir eine perfekte Version. Ähnliches gilt für La mer est plus belle. Ich sah und hörte die Brandung und das rauschen der Wellen, ließ mich mitreißen von den gesungenen Tönen und Worten. Aber auch Hugo Wolfs An eine Aeolsharfe oder Debussys Arabesque N.1, eines der Harfensolo-Stücke an diesem Abend, entführten aus dem Raum in eine kurze Traumwelt

Alle Fotos: Jörn Kipping

.Fazit: Möge es noch viele After Work Abende geben, gerne mit diesen beiden Künstlerinnen, gerne auch  eine Livedarbietung jener oben erwähnten CD, und natürlich gerne auch was ganz anderes, auf neue Art Inspirierendes! Was uns wohl am 03.03.2022 erwarten mag?!

Birgit Kleinfeld , Vorstellungsbesuch07.01. 2022

Links:
https://www.staatsoper-hamburg.de/
https://www.gabrielerossmanith.de/
https://www.sophia-whitson-harfe.de/

 

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