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Staatsoper Hamburg: The Art of Lise Davidsen

Der  Soloabend von Lise Davidsen, der zweite des neuen Formats THE ART OF …  an der Staatsoper Hamburg, begann mit dem sanft anschwellendem „Pace“der Arie „Pace. Pace mio„ aus Giuseppe Verdis La Forza del Destino und endete bei der zweiten Zugabe mit einem  lebensfrohen, strahlendklaren „All night“ aus „I would have danced all night“ (Carl Loewe, My Fair Lady).Dazwischen präsentierte die norwegische Sopranistin ihre Stimme in einem abwechslungsreichen Programm aus Arien und Liedern. Sie ließ keinerlei Zweifel daran, dass  sie jede einzelne Vorschusslorbeere redlich verdient hat. Und ebenso auch jedes Bravo, jeden Begeisterungspfiff und den begeisterten Applaus. Und sicher war ich nicht die Einzige, die dachte  I could have listened all night.

Lise Davidsen ist mit knapp 34 Jahren das, was die Medien gerne einen Shootingstar oder einen Weltstar nennen. Seit sie neben einigen anderen Wettbewerben  auch Plácido Domingos Operalia (2015) gewann, ist sie an allen namhaften Opernhäusern ein gefragter Gast und nun – endlich-  auch an der Staatsoper Hamburg. Ihre  Stimme hat ein Volumen, das nicht allein den gesamten Saal mühelos und wohltönend erfüllt, sondern dessen Schwingungen  bis in die mittleren Parkettreihen spürbar sind. Davidsens Instrument ist perfekt für die (hoch)dramatischen Opern-Heroinen  aus der Feder von Richard Wagner aber auch Verdi, Tschaikowski und Puccini.

Nicht nur ihr Pace, Pace  mio dio ging unter die Haut und lieferte einen überzeugenden Beweis für ihre brillante Technik, sichere Stimmführung und  gefühlvolle Ausdruckskraft. Auch die anderen Arien an diesem Abend machen neugierig darauf, sie in den dazu gehörigen Partien zu erleben.
Die Sterbeszene der Manon sola,perduta abbandonata  bot sie mit viel Leidenschaft dar, ebenso das Vissi D’arte aus Puccinis Tosca, das Ariosa der Lisa aus Peter Tschaikowskis Picque Dame und  die Arie der Ellen Orford aus Benjamin Brittens Oper Peter Grimes. 

Lise Davidson
Foto: Ray Burniston

Nicht allein aufgrund ihres Stimmvolumens, doch auch wegen ihres Stimmumfangs und ihrer Fähigkeit, mühelos zwischenkraftvollen und zarten Tönen, wenn diese auch nie wirklich pianissimo zu sein scheinen, zu wechseln und dabei, wie ich es immer gerne nenne, mit Tönen Gefühlsbilder zu malen, bekommt das Publikum einen Eindruck von den Emotionen und auch Leiden der einzelnen Figuren. Und wird dabei mit schönen Tönen verwöhnt. Besonders auch bei den beiden so gegensätzlichen Zugaben wie der Arie Dich treue Halle … aus Richard Wagners Tannhäuser und den  schon erwähnten Liedern der Eliza Doolittle aus My Fair Lady. Letztere sang sie ganz ohne opernhafte Attitüde und unterstrich damit noch einmal ihre Vielseitigkeit

Doch die Junge Sopranistin und ihr Pianist Bryan Wagorn, Assistenzdirigent an der New Yorker Metropolitan Opera, hatten auch Lieder auf dem Programm. Wagorn glänzte stets als einfühlsamer, sympathischer Begleiter und Davidsen zeigte auch im Liedgesang  mit Werken von Edvard Grieg und Richard Strauss ihr Talent.

Beide Liedzyklen wurden von der Sängerin  auf englisch charmant anmoderiert. So sagte sie, dass sie gerne Lieder aus ihrer Heimat in ihre Soloprogramme aufnähme. Dieses Mal wählte sie 6 Lieder Opus 48 zu Gedichten verschiedener Poeten. Nämlich: Gruß (Heine),  Dereinst. Gedanke mein (Geibel),  Lauf der Welt (Uhland). Die verschwiegene Nachtigall (Walter von der Vogelweide), Zu Rosenzeit (Goethe) und ein Traum (Bodenstedt). Sie erklärte, dass für sie diese Lieder das Auf und Ab des Lebens charakterisieren, die Freude wie das Leid. Und genau das vermittelte sie auch durch ihre Interpretation, da es ihr gelang  die Bedeutung  hinter Wort und Ton zum Ausdruck zu bringen.

Zu den Strauss Liedern (Ruhe meine Seele, Cäcilie und Morgen aus Vier Lieder Opus 27 und Befreit  aus Fünf Lieder Opus 39) erzählte sie eine kleine Anekdote  aus ihrer Studienzeit. Als sie in Hamburg zu einem Konzert von Jonas Kaufmann und Helmut Deutsch eingeladen war und  Deutsch selbst sie vorher Strauss–Lieder singen ließ und  „circa 1.000.000 Anmerkungen“ hatte. Damals schien ihr Liedgesang eine große Herausforderung. Doch in Hamburg bewies sie, dass sie diese bewältigt hat.

Fazit: THE ART OF Lise Davidsen  war ein Abend, dem es gelang, dieses Gefühl heraufzubeschwören, das nach Aufführungen entsteht, die man sehr genossen hat. Eine gewisse Leichtigkeit und Freude an Schönem das ablenkt von allem was Grau in Grau ist.

Birgit Kleinfeld, (Vorstellungsbesuch 19.11.2021)

Links
https://www.staatsoper-hamburg.de/
https://www.lisedavidsen.com/
https://www.chambermusicsociety.org/about/artists/piano/bryan-wagorn/

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