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Gedanken zum Nussknacker – CD/Hörbuch inspiriert

Peter Tschaikowskis Ballett Der Nussknacker oder auch nur die Musik daraus, gespielt auf Klassik Radio, gehören genauso unabdingbar zur Weihnachtszeit, wie auf anderen Sendern jenes Lied das von vergangenen Weihnachten und verschenkten Herzen erzählt.


Warum ich dann erst jetzt diese CD von Klassik Radio vorstelle, auf der es neben der Musik von Peter Tschaikowski auch E. T. A. Hoffmanns Geschichte dazu gibt, erzählt von Klassik Radio Chefmoderator Holger Wemhoff? Und die im Klassik-Radio Shop längst ausverkauft ist?
Gut, auf der einen Seite ist diese Frage durchaus berechtigt. Auf der anderen aber ist meine Antwort, dass dies ein Projekt ist, das das ganze Jahr über Freude schenkt und auch Möglichkeiten bietet, anderen klassische Musik, wie auch Literatur, näherzubringen, etwas mehr als eine bloße Entschuldigung für dieses „Versäumnis“. Denn, da stimmen Sie mir sicher zu, sich Träumen zu schöner Musik hingeben und vielleicht sogar als Pendant zum Singen unter der Dusche, in der Küche oder beim Putzen dazu tanzen, kann man das ganze Jahr. Die Staatskapelle Dresden unter Hans Vonk lädt absolut dazu ein, Ihr Nussknacker-Marsch, einer der Tänze des Divertimentos oder auch all die eher dramatisch klingenden Melodien, erwecken sie neu, die Bilder, die wir im Theater sahen oder auch jene, die in uns schlummern.

Ja, Peter Tschaikowskis Ballett ist das Weihnachtsballett schlechthin und es gibt weltweit unzählige klassische Choreografien, die das Libretto von Alexandre Dumas Histoire d’un casse-noissette wortwörtlich in Tanz übersetzen, so dass das Märchen- und Zauberhafte, das in jeder Note erklingt, erhalten bleibt. So werden wir im Theater durch üppige Bilder und Klänge für einige Zeit zu den Kindern, die wir begleiten. Staunend und träumend wie sie.

Doch ad hoc fallen mir drei Choreografien und Choreografen ein, die, jeder auf seine ganz eigene Art und Weise, tiefer gehen. John Neumeier, langjähriger Ballettdirektor an der Staatsoper Hamburg, macht aus der Weihnachtsfeier die Feier zum 12. Geburtstag eines jungen Mädchens, Maurice Bejart, der Gründer des Ballett du XXe siècle macht aus dem Stück eine Hommage an die eigene Kindheit, deren Helden und seine Mutter. Der britische Choreograph Matthew Bourne verlegt die Handlung ins Amerika der rolling 50ties.
Alle diese Interpretationen huldigen Tschaikowskis Musik, inspirieren durch neue Bilder, neue Ideen und fügen so dem Libretto von Alexandre Dumas eine neue Ebene hinzu. Doch auch E.T. A. Hoffmanns Nussknacker und Mäusekönig geht tiefer, hat eine Moral, eine Aussage zwischen den Zeilen und all den Elementen einer Schauergeschichte der Romantik. Aber ist das nicht bei allen Märchen oder Schauergeschichten so, dass wir etwas lernen oder mit Herz, Verstand und Seele entdecken können/sollen? Für mich geht es beim Nussknacker um zu sich und seiner Person stehen, um Phantasie und Entwicklung, Veränderung.
Auch wenn es sich bei dem beiliegendem Hörbuch nur um einen Text nach E.T.A. Hoffmann handelt, schafft es doch eine Verbindung, ein Verständnis für das Ballett und seine Entstehungsgeschichte, wie es eine simple Inhaltsangabe nicht vermag.
Natürlich ist dies auch dem Vorleser Holger Wemhoff zu verdanken. Schon in seinen Sendungen auf Klassik Radio besticht er durch Wissen und eine Stimme, die Ruhe und Sympathie ausstrahlt. Hier erinnert er an die beinahe hypnotisch in den Bann ziehenden Radio- Märchenonkel meiner Kindheit, die einerseits einfühlsam die Handlung wiedergeben, dann aber Marie, Drosselmeier, Fritz, Nussknacker und alle anderen mit Leben und Charakter füllt.
Wirklich, hier werden Musik und Erzählung zu etwas ganz besonderen. Ein Muss für jene, die sich gerne gemeinsam durch Musik und die Geschichte dahinter in innere Welten entführen lassen. Aber auch dazu mit Enkel- oder Nachbarkind gemeinsam zu lauschen und vielleicht zu tanzen, als Vorbereitung für den Theaterbesuch, der ja leider noch in weiter Ferne zu liegen scheint.
Wie auch immer, es bleibt zu hoffen, dass Klassikradio und Holger Wemhoff noch viele Ideen zu ähnlichen Produktionen in petto haben. Vielleicht ja auch zu Opern oder sinfonischen Werken, wie zum Beispiel jenen von Strauss oder Stravinski.

Ich bin der Überzeugung. dass dies eine schöne Methode wäre, Personen, die Klassik auf Klassik Radio zwar genießen, sich aber an einen abendfüllen den Opern/Ballettbesuch(noch) nicht heranwagen, einen Schubs in die richtige Richtung geben würden!

Bis dahin bleiben Sie alle gesund.
Birgit Kleinfeld, 25.01.2021

Weiterführende Links:
https://www.klassikradio.de/programm/moderatoren-team/holger-wemhoff
https://www.projekt-gutenberg.org/etahoff/nussknac/nussknak.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Nussknacker
https://en.wikipedia.org/wiki/Pyotr_Ilyich_Tchaikovsky
https://de.wikipedia.org/wiki/E._T._A._Hoffmann
https://de.wikipedia.org/wiki/John_Neumeier
https://de.wikipedia.org/wiki/Matthew_Bourne
https://de.wikipedia.org/wiki/Maurice_B%C3%A9jart

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