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Riens – Rossinis Alterssünden: so viel mehr als nichts

Gioachino Rossini. ein antiker Pleyel-Piano forte und Richard Barker sind mir alle in den letzten Monaten ans Musik liebende Herz gewachsen. Denn dies ist die zweite CD von Illiria-Productons, die sich mit der Kammermusik Rossinis beschäftigt und bereits die dritte mit Richard Barker am Flügel, über die ich berichte. Riens, Part 1 bietet die ersten 12 virtuosen Klavierstücke aus Quelques riens pour album (24 Miniaturen), dem 12. Album der Sammlung Péchés de vieillesse (Alterssünden).

Ob die Titel Alterssünden und von mir frei übersetzt Einige Nichtigkeiten fürs Album, Rossinis Humor selbstironisch widerspiegeln oder doch eher von Selbstkritik sprechen, weil diese Werke „törichte Nichts“ sind im Vergleich zu seinen Opern, weiß ich nicht zu sagen. Vielleicht bieten uns am heutigen Nachmittag ja Richard Barker und der Tenor Maxim Mironov heute ja einige Erklärungen. Denn sie berichten über diese CD in einem Interview, das heute am 9.12. um 16:00Uhr auf Mironovs Instagram-Profil https://www.instagram.com/maximmironov.tenor/?hl=de stattfinden wird. Zwar wird da Gespräch in italienisch geführt. Ich der festen Überzeugung, dass rudimentäre Sprachkenntnisse ausreichen um in groben Zügen folgen zu können.

Foto: Illiria-Productions


Riens ist eine CD, die ganz ohne Worte auskommt, sondern in der einzigen Sprache spricht, die laut Nikolaus Harnoncourt jeder versteht: der Musik.
Rossini, Barker und Pleyel bilden ein Trio, das diese Sprache meisterhaft zu vermitteln weiß.
Die häufigste Vortragbezeichnung ist Allegretto oft mit Zusätzen wie moderato, maestoso oder sostenuto. Des weiteren gibt es auch Stücke mit der Betitelung Andante oder Andantino. Alles steht für eine gewisse aber nicht übertriebene Fröhlichkeit oder ein ruhiges, doch nie schleppendes Tempo und einen ebensolchen Ausdruck. Warum dies erwähnenswert scheint? Weil es mit nicht allzu vielen Worten den Charakter der Stücke auf dieser CD beschreibt, denen Barker mit, der für ihn typischen Leichtigkeit, Charakter verleiht, der zum Schmunzeln oder einfach Wohlfühlen animiert. Er bringt seine nicht zu verleugnende Affinität zu Rossini mit jedem Anschlag, jeder Passage zu Gehör. Es scheint als wollten Barker, wie auch Illiria-Productions und ihr künstlerischer Direktor Mironov uns dazu bringen, nicht nur selten gespielte Werke Rossinis nicht nur mit Genuss zu hören, sondern auch den damaligen Zeitgeist und das Gemüt des Komponisten so authentisch wie möglich zu spüren.
Was mich betrifft und sicher bin ich da nicht allein, gelingt es sehr gut.

Richard Barker
Design: Alexey Sorokin/Illiria Productions

Über Rossini zu schreiben ohne kulinarische Begriffe und Methapern ist schwer. Schon Nr. 1 versetzt in einen mit Kerzen erleuchteten Saal an eine üppig gedeckte Tafel, an der gezecht, geschlemmt, gelacht und auch ein wenig gestritten wird. Nr. 6 dann versetzt in einen Musiksalon, wo man während man diesem an eine Fuge erinnerndes lauscht, über ein Glas feurigen Roten hinweg heimliche Blicke tauscht.
In jedem Stück aber lässt Barker die Töne perlen, erzählt mit seinem Spiel Geschichten und erweckt den Eindruck: Ja, das ist Rossini, da zeigt sich im Klang das Bild, das wir uns von diesem unvergessenem Künstler machen.
Und um mit einer Abwandlung eines Rossini-Zitats abzuschließen, in dem er sagte, falsche Gewürze schmerzten wie falsche Töne, sage ich Ihnen hier schmerzt nichts, alles mundet. Und – auch ein Zitat Rossinis: Alles ist herrlich, alles überrascht.
Birgit Kleinfeld, 9.12. 2020.

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